
Netto-Null-Emissionen sind ohne Ausgleichsmaßnahmen kaum erreichbar – doch nicht jede Kompensation ist gleich wirksam. Neben dem klassischen Offsetting, bei dem Emissionen durch externe Projekte ausgeglichen werden, gibt es eine wirkungsvollere Alternative: Insetting.
Beim Insetting investieren Unternehmen direkt in ihre eigene Lieferkette, um Emissionen dort zu reduzieren, wo sie tatsächlich entstehen. Klimaschutz wird so zum integralen Bestandteil des Geschäftsmodells – glaubwürdig, messbar und zukunftsfähig. Erfahren Sie hier, warum Insetting der nächste Schritt hin zu echter Klimaverantwortung ist.
Insetting bezeichnet Klimaschutzmaßnahmen, bei denen Unternehmen Emissionen direkt innerhalb ihrer eigenen Wertschöpfungskette reduzieren – beispielsweise durch nachhaltige Rohstoffproduktion, emissionsarme Transportwege oder die Förderung regenerativer Landwirtschaftsmethoden.
Im Gegensatz zum klassischen Offsetting geht es beim Insetting nicht nur um Kompensation, sondern um aktive Verantwortung. Der Fokus liegt insbesondere auf Scope-3-Emissionen, die häufig den größten Anteil des unternehmerischen CO₂-Fußabdrucks ausmachen und entlang der Lieferkette entstehen.
Genau hier setzt Insetting an: Unternehmen behalten die Kontrolle über die Maßnahmen, stärken Partnerschaften und schaffen echte Transparenz. Für die Erreichung von Netto-Null-Zielen ist das entscheidend – denn ohne substanzielle Reduktionen bei Scope 3 bleibt Klimaneutralität unerreichbar.
Offsetting hingegen gleicht Emissionen über externe Klimaschutzprojekte wie Aufforstung oder erneuerbare Energien aus. Diese reduzieren die eigenen Emissionen nicht direkt, sondern kompensieren sie bilanziell über den Kauf von Zertifikaten. Während Offsetting durchaus sinnvoll sein kann, ermöglicht Insetting langfristige strukturelle Verbesserungen. Vor allem ist Insetting der Hebel um die eigenen Scope-3-Emissionen zu beeinflussen.

Ja – Insetting ist in der Regel kostenintensiver als Offsetting. Dieser höhere Preis spiegelt jedoch einen deutlich höheren langfristigen Mehrwert wider.
Während Offsetting häufig kostengünstige Projekte im Ausland finanziert (z. B. Aufforstung oder PV-Anlagen), fließen Insetting-Investitionen direkt in die eigene Wertschöpfungskette. Unternehmen reduzieren Emissionen dort, wo sie selbst Einfluss nehmen können – etwa durch nachhaltige Landwirtschaft, klimafreundliche Logistik oder Effizienzsteigerungen bei Lieferanten. Diese Nähe erhöht die Glaubwürdigkeit und stärkt gleichzeitig die Resilienz des Unternehmens.
Insetting verbessert langfristig die Klimabilanz, stabilisieren Lieferketten und fördern Innovation. Zudem sind Insetting-Projekte häufig besser messbar und überprüfbar. Transparente und nachvollziehbare Klimamaßnahmen stärken das Vertrauen von Kunden und Investoren. Offsetting hingegen birgt das Risiko, als „Ablasshandel“ wahrgenommen zu werden, wenn Emissionen lediglich durch Reduktionszertifikate und nicht durch echte Negativemissionen ausgeglichen werden.
Kurz gesagt: Ja, Insetting ist meist teurer – aber auch wirksamer, nachhaltiger und strategisch wertvoller. Unternehmen, die Klimaverantwortung ernst nehmen, entscheiden sich zunehmend bewusst für Insetting durch echte Negativemissionen.
Trotz dieser Herausforderungen bietet Insetting langfristige Vorteile für Umwelt, Wirtschaft und Reputation. Entscheidend sind klare Strategien, starke Partnerschaften und robuste Monitoring-Systeme.
Gut gemachte Insetting-Projekte sind das Gegenteil von Greenwashing. Es steht für reale, überprüfbare Klimawirkung in der eigenen Lieferkette. Der entscheidende Unterschied: Maßnahmen werden direkt in die eigenen Prozesse integriert. Unternehmen übernehmen Verantwortung dort, wo sie Einfluss haben – bei Lieferanten, Produktion und Logistik.
Während Offsetting bei intransparenter Projektqualität schnell Kritik auslöst, zeigt Insetting realeTransformation. Es geht nicht um Kompensation, sondern um echte Wirkung im eigenen Geltungsbereich der Unternehmen.
Was unterscheidet Insetting von anderen Klimamaßnahmen?
Insetting fokussiert sich auf konkrete Emissionsminderungs- und Entnahmeprojekte innerhalb der eigenen Wertschöpfungskette. Im Gegensatz zu vielen anderen Maßnahmen (z. B. Offsetting), die auf externe Kompensationsprojekte setzen, adressiert Insetting direkt operative Prozesse, Lieferketten und Produktionsmethoden.
Anstatt Zertifikate zuzukaufen, werden strukturelle Verbesserungen entlang der eigenen Scope-3-Emissionen umgesetzt – mit messbarer, langfristiger CO₂-Reduktion bzw. -Entnahme.
Für welche Branchen ist Insetting besonders relevant?
Insetting ist insbesondere für emissionsintensive oder rohstoffabhängige Branchen relevant, darunter:
Ist Insetting für KMUs oder den Mittelstand geeignet?
Ja, insbesondere für den deutschen Mittelstand ist Insetting von großer Bedeutung. Warum? Weil über Insetting auf pragmatische und realistische Weise die Emissionsherde in der eigenen Lieferkette angegangen werden. Auch kleine und mittlere Unternehmen können Insetting in skalierbaren Formaten umsetzen – beispielsweise über:
• nachhaltige Beschaffungsstrategien
• Lieferantenprogramme
• Energieeffizienzmaßnahmen
• regionale Klimaprojekte innerhalb der Lieferkette
Zudem stehen zunehmend Förderprogramme, Partnerschaften und standardisierte Projektmodelle zur Verfügung, die KMU beim Einstieg unterstützen.
Was ist die Definition von Insetting?
Die SBTi definiert Insetting wie folgt:
„Insetting beschreibt Klimaschutzprojekte, die vollständig innerhalb der Scope-3-Wertschöpfungskette eines Unternehmens liegen, teilweise innerhalb dieser Grenze angesiedelt sind oder direkt angrenzend an die Lieferkette umgesetzt werden.“
Die SBTi weist zugleich darauf hin, dass die Standardisierung der Definition sowie eine einheitliche Bilanzierungsmethodik derzeit noch in Entwicklung sind.
Welche Zertifizierungen gibt es für Insetting?
Aktuell existiert kein eigenständiger, global standardisierter Insetting-Zertifizierungsrahmen. Allerdings hat die kürzlich entwickelte Land Sector and Removals Standard des Greenhouse Gas Protocols einen wichtigen Meilenstein und die nötige Klarheit geliefert, wie Insettingprojekte im Land- und Forstbereich umgesetzt werden können.
Auch die SBTi erlaubt die Nutzung von Insetting-Maßnahmen zur Unterstützung von Scope-3-Zielen, wobei Projekte einzelfallbezogen geprüft werden - künftig aller Voraussicht nach auch unter Anbetracht der Land Sector and Removals Guidance des GHG Protocols.
In der Praxis greifen Unternehmen häufig auf etablierte Kohlenstoffstandards zurück, darunter:
• Gold Standard
• Cercarbono
• International Carbon Registry (ICR)
Diese Standards zertifizieren jedoch Carbon-Projekte allgemein, nicht spezifisch Insetting-Ansätze.
Kann Insetting Scope-3-Emissionen reduzieren?
Ja. Insetting adressiert genau die Emissionsquellen, die den größten Anteil an Unternehmensfußabdrücken ausmachen:
Durch gezielte Maßnahmen lassen sich Scope-3-Emissionen messbar reduzieren oder durch biogene Senken entfernen – und damit die gesamte Klimabilanz eines Unternehmens substanziell verbessern.
Insetting ist ein wirksamer und strukturell nachhaltiger Ansatz zur Erreichung unternehmerischer Klimaziele. Gleichzeitig stärkt es Lieferkettenresilienz, regulatorische Konformität und langfristige Wettbewerbsfähigkeit.
Während Offsetting kurzfristig einfacher umzusetzen ist, bietet Insetting den strategisch überlegenen, zukunftsfähigen Pfad für Unternehmen, die reale Klimawirkung erzielen und glaubwürdige Netto-Null-Strategien umsetzen wollen.
